Tonband — Indie als Praxis und Geschichte.
Tonband ist ein monatlich erscheinendes deutschsprachiges Fachmagazin für deutsche Indie- und Underground-Musik, DIY-Kultur und die Live-Szene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir schreiben über die Band-Lineup-Architektur zwischen Hamburger Schule und Krautrock-Erbe, über die Live-Welt zwischen JUZ-Konzert und Maifeld Derby, über die Studio-Praxis zwischen Hansa-Berlin und der Bedroom-Aufnahme im eigenen Schlafzimmer, über die Indie-Label-Ökonomie zwischen Audiolith, Tapete Records, Staatsakt und der Bandcamp-Direkt-Vermarktung, über die Soziokultur-Szene zwischen AZ Conni Dresden, Köpi Berlin und der Trust-Fanzine-Tradition, über die rechtliche Architektur zwischen GEMA-Anmeldung, Künstlersozialkasse und Streaming-Vergütungs-Reform. Kein Major-Label-PR, keine Streaming-Plattform-Werbung, keine Booking-Agentur-Branchen-Werbung. Ein redaktionelles Indie-Fachmagazin, das die deutsche Indie-/DIY-Welt als gleichzeitig handwerkliche, ökonomische, rechtliche und kulturhistorische Disziplin behandelt.
Tonband ist explizit keine Wiederbelebung einer bestehenden oder ehemaligen Band. Das Magazin steht in keiner personellen oder organisatorischen Verbindung zu der vormals unter dieser Domain veröffentlichenden Formation. Wir publizieren keine Band-Diskografien als Memorial, keine Reunion-Werbungen, keine Verzeichnisse von Folge-Formationen.
Der Takt ist monatlich. Sechs Ressorts — Bands, Live, Studio, Label, Szene, Recht — bilden das Gerüst. Die aktuelle Mai-2026-Ausgabe hat ihren Schwerpunkt in der laufenden Diskussion um die DSM-Umsetzung der EU-Urheberrechts-Richtlinie 2019/790 und ihrer Konsequenzen für die KI-Modelltraining-Praxis auf Musik-Werken, und in einer Bestandsaufnahme der Soziokultur-Räume DACH nach den Räumungen Köpi/Rigaer/Liebig seit 2023.
Der Name Tonband ist Programm. Das Tonband — Magnetband mit Eisenoxid-Beschichtung, in den 1930ern erstmals industriell produziert, in der Studio-Welt bis in die 1990er-Jahre Standard und in der Indie-/Tape-Label-Szene bis heute lebendige Aufnahme-Tradition — ist die fundamentale analoge Aufnahme-Technik. Es ist Aufnahme-Medium, Vertriebs-Format (Cassette-Single, Tape-Compilation, Demo-Tape), DIY-Symbol und ökonomische Format-Alternative zwischen Vinyl-Renaissance und Streaming-Vereinheitlichung. Wir verwenden den Begriff als programmatische Selbstverortung: ein Fachmagazin, das die Indie-Musik an ihrer fundamentalen handwerklichen und ökonomischen Grundlage behandelt.
Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen der langen DIY-/Underground-Tradition seit den 1970er-Punk-Jahren und der gegenwärtigen ökonomisch-regulatorischen Realität. Bandcamp hat seit 2008 eine Direkt-Vermarktung etabliert (Künstler:innen erhalten 85 % statt der ca. 0,003 EUR/Stream bei Spotify) — aber die Übernahme durch Songtradr im September 2023 hat strukturelle Fragen für die Indie-Welt aufgeworfen. GEMA hat 2024 eine Pauschal-Vergütung mit KI-Anbietern für Modelltraining vorgeschlagen — aber die Mehrheits-Akzeptanz im Verteilungs-Plan ist offen. Soziokultur-Zentren haben in DACH ca. 600 LSV-organisierte Räume — aber die Verdrängungs-Welle der letzten Jahre hat einige der zentralsten Räume gefährdet. Wir lesen das nicht als Untergangs-Geschichte, sondern als die normale Spannung zwischen DIY-Tradition und Markt-/Regulierungs-Realität.
Geschrieben ist Tonband für Musiker:innen in Indie-/DIY-Bands, für Tape-/Vinyl-Indie-Label-Beschäftigte, für Soziokultur-Aktive (JUZ-Booker:innen, Soziokultur-Zentren-Beschäftigte), für Konzert-Veranstalter:innen und Booking-Agenten, für Musik-Journalist:innen mit Underground-/Indie-Schwerpunkt, für Musikrecht-Praktizierende (GEMA, KSK), für Musikwissenschaftler:innen mit Subkultur-/Popmusik-Schwerpunkt und für ein allgemeines musikalisch-interessiertes Publikum. Wir setzen Vertrautheit mit Indie-/DIY-Fachterminologie voraus (Lineup, EP, Split, Cassette-Release, Bandcamp, KSK, GEMA-Anmeldung, JUZ), aber kein Musikwissenschafts-Diplom.
Gastbeiträge
Tonband nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Text geschrieben hat, schickt eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten in der Regel innerhalb einer Woche und honorieren angenommene Beiträge nach festen Sätzen.
Indie ist für uns kein Genre-Etikett. Sie ist die handwerklich-ökonomische Praxis, in der eine Vier-Personen-Band mit Sprinter und Backline am Dienstag in einem JUZ Mannheim spielt, am Mittwoch in einem AZ Frankfurt, am Donnerstag in einem Soziokultur-Zentrum Saarbrücken — ohne Booking-Agentur, ohne Tour-Manager, ohne Major-Label-Vorschuss.